Don’t shoot the messenger

Mit diesem Bild gewann Kevin Carter den Pulitzer Prize 1994. Das Bild zeigt ein verhungerndes Kind, das scheinbar bereits von einem Aasgeier verfolgt wird. Das Kind kriecht gerade zu einem Lebensmittelcamp der UN, das ein Kilometer entfernt sein soll. Niemand weiss, was mit dem Kind geschehen ist. Der Fotograf Kevin Carter verliess den Ort, nachdem er das Photo aufgenommen hatte. Später vertraute er Freunden an, dass er wünschte eingegriffen zu haben. Journalisten wurde zu dieser Zeit geraten, keine Opfer der Hungersnot aus Furcht vor Krankheiten zu berühren. Drei Monate später und nur Wochen später, nachdem ihm der Pulitzer Preis verliehen worden war, nahm sich Kevin Carter das Leben.

Bin ich ein Mörder, weil ich gerne zum Frühstück Aufschnitt esse? Oder „ermorden“ Moralisten die Möglichkeit, die Dinge im Zusammenhang zu betrachten und wirken zu lassen? Fakt ist: Eine Kamera kann zwischen wenigen Metern Distanz eine emotionale Barriere aufbauen. Gute Fotografen arbeiten mit dieser Barriere. Statt das Kind mitzunehmen, hat er das Bild mitgenommen. Wirklich schlimm wird es jedoch, wenn mit diesem Bild manipuliert wird. Ob das Camp einen Kilometer entfernt war, steht so nicht in den Quellen. Das Flugzeug mit Carter und anderen Fotografen landete an dem Tag (11. März) für 30 Minuten, um Lebensmittel zu verteilen. Die Mutter des Mädchens war in der Nähe. Nach dem Foto flog der Geier wieder weg. So erklärt es ein Kommentator auf Facebook.
Kevin Carter war ein Kriegsfotograf. Dieser Mann hat an Orten fotografiert, an die sich kein westlicher Mensch hintraute. „Vielleicht sollten sich einige, die hier mit pathetischen Wortgewandtheiten um sich werfen, erstmal überlegen, was den Beruf eines Kriegsfotografen zu der damaligen Zeit ausmachte“, empört sich ein anderer Facebook-Teilnehmer.
Die Menschen in den Kriegsfotografen sahen Leid, Grausamkeiten und die größten Abscheulichkeiten – und hatten/ haben die Aufgabe, dies für uns sichtbar zu machen. Sie müssen sich ein sehr hartes Fell wachsen lassen um diesen Beruf überhaupt ausüben zu können. Über Carter und seine Kollegen gibt es übrigens einen Film: „The Bang Bang Club“ –.

Die Empfindungen von Entsetzen und Scham sind auch aus meiner Sicht verständlich. Sie sollten aber definitiv nicht auf den Fotografen projiziert werden, sondern auf jeden für sich selbst und unsere Gesellschaft.

Don’t shoot the messenger.

Die Geschichte von Kevin Carter zeigt eben auch, dass keiner von uns jemals nur Beobachter ist, sondern immer auch Teil des Geschehens. Carter ist wie alle Journalisten gewarnt worden, kein Opfer der Hungersnot wegen Ansteckungsgefahr zu berühren. Ob er die Berührung in seinem Herzen unter seinem „dicken Fell“ nicht mehr ertragen konnte, weiß ich nicht. Aber welche Krankheit kann schlimmer sein, als gleichgültig beim Anblick dieses Bildes zu bleiben? „

http://wp.me/p1lW1S-3c

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