Rheine. „Frauen sind Göttinnen – Wir können nur noch beten.“ In seinem aktuellen Programm gibt sich Ex-Comedy- Rübel Ingo Appelt als Wanderprediger. Vor seinem Auftritt am 24. September in der Rheiner Stadthalle stand er Jörg Peterkord  Rede und Antwort.

JP: Herr Appelt, Sie sind ja jetzt als Wanderprediger unterwegs …

Ingo Appelt: Bin ich eigentlich schon länger, aber jetzt auch richtig.

JP: Was ist ihnen als Wanderprediger wichtiger, Glück oder Erfolg?

Ingo Appelt: Glück durch Erfolg oder Erfolg durch Glück, das ist die Frage. Das eine geht ohne das andere auch nicht. Also glücklos erfolgreich, das ist auf jeden Fall Mist.

JP: Ist aber möglich.

Ingo Appelt: Ich hab´s ja ausprobiert. Ich bin glücklicherweise nicht so geil auf Erfolg wie manche meiner Kollegen. Ich kann auch mit kleineren

Sachen, die nicht ganz so erfolgreich sind, sehr glücklich sein. Ich muss nicht ständig rumtelefonieren, um hier und da noch einen Deal zu machen.

JP: Normalerweise sind Unterhaltungskünstler Getriebene. Muss man nicht ständig irgendwie auf dem Sender bleiben?

Ingo Appelt: Da ist schon ein unheimlicher Druck dahinter. Ich muss schon kämpfen und viel machen, aber ich übertreibe es auch nicht.

JP: Vor kurzen waren sie ja bei Markus Lanz im ZDF mit ihrem Wanderprediger-Kollegen Jürgen Fliege eingeladen. Wie war denn diese Begegnung für den frisch gebackenen Frauenvergötterer?

Ingo Appelt? Ingo Appelt: Das wurde ja leider überhaupt nicht thematisiert. Talkshows find ich ja super, klugscheißen und dabei sein, das ist toll. Und als der Fliege dann anfing zu erzählen, 80 Prozent der Deutschen glaubten an Engel. Da hab´ ich gesagt: ,Das sind die vom ADAC!´ Das war für mich dann wieder ein Glücksfall.

JP: Wann kam die Eingebung, jetzt Frauen zu vergöttern?

Ingo Appelt: Ich hatte ja das Vorgänger-Programm „Männer muss man schlagen“. Das ging ja schon in die feministische Richtung. Warum braucht die Frau einen Mann? Weil Vibratoren nicht Rasenmähen können. Das ist die Brigitte- Generation, mit der wir groß geworden sind. Da gab es viele Pointen im Programm, wo ich dachte: Da ist doch was dran. Das neue Programm ist eine Weiterentwicklung. In der Musik werden Frauen ja auch überall vergöttert. Bei Xavier Naidoo etwa kann man nie klar trennen, singt der Jesus oder eine Frau an.

JP: Und wie sehen Frauen die Männer?

Inge Appelt: Frauen sagen ja immer, der Mann soll Humor haben. Warum soll ein Mann Humor haben? Ein humorvoller Mann ist einer, der sich gerne und mit Spaß in den Backen aktiv an seiner eigenen Zerstörung beteiligt.

JP: Frauen stehen also nicht auf die Supermänner, sondern auf die Trottel?

Ingo Appelt: Richtig. Deswegen gibt es in der Comedy so viele Leute wie Martin Schneider, Paul Panzer, Johann König, Helge Schneider…. Das sind mehr so Typen, die irgendwie einen an der Klatsche haben. Dieter Nuhr ist mehr der Frauenflüsterer. Aber generell ist Comedy sehr stark in Richtung Frau gedreht. Und das war bei mir immer das Problem mit meinem Image als Männer-Komiker. Das war mehr so´n Jungen-Humor, den ich hatte. Frauen stehen eher auf eine ganz andere Form von Humor. Das Publikum bei Comedy ist meistens gemischt, mit leichtem Frauen-Überschuss. Die Frau sagt aber immer, wo es abends hingeht. Und wenn die sagen, wir gehen nicht zu Appelt, weil der so ekelig ist, dann habe ich ein Problem. Das habe ich erkannt.

JP: Also ist das neue Programm eine strategische Neuausrichtung?

Ingo Appelt: Genau, das ist im Prinzip ein Trojanisches Pferd. Die Frauen fühlen sich bestätigt, die Männer aber auch. Also Mädels, packt eure Männer ein. Es gibt was zu lernen und viel zu lachen.