Der Mann, der laut Spiegel sein Leben verzockt hat, wirkt ziemlich lebensfroh. „Ich habe schon einmal Probleme mit der Kommastellung auf meinem Kontoauszug, aber ansonsten geht´s mir ganz gut“, erzählt Klaus F. Schmidt. Nicht ohne Selbstironie führt er auf seiner Visitenkarten den Titel „Multimillionär a. D.“. Aus dem Nichts stieg Klaus Schmidt zum Erfolgs-Unternehmer auf. Dann verlor er im Kasino die Kontrolle – und all sein Geld, insgesamt über fünf Millionen Euro.

„Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen nachher.“ Auch dieser Spruch von Voltaire ziert seine Visitenkarte. Dass der Ex-Matrose, Ex-Arbeitslose, Ex-Sodastream-Unternehmer mittlerweile auch wieder Ex-Hartz-IV-Empfänger ist und als Unternehmensberater seinen Lebensunterhalt verdient, hat er neben seinem im Gegensatz zum Bankkonto prall gefüllten Lebenskonto wohl seiner Beharrlichkeit zu verdanken. „Das Einzige was ich aufgebe, sind Pakete bei der Post. Zack“, so Schmidt. „Wofür soll ich mich schämen?“, hat er mal Frank Elstner in seiner Sendung geantwortet. „Ich habe eigenes, ehrlich verdientes Geld verloren und 80 Prozent sind an die Landeshaushalte als Spielbankabgabe gegangen.“ Steuern ist er in seiner Zocker-Karriere sicherlich keine schuldig geblieben.
Dennoch: Wie ein Drogensüchtiger konnte er nicht aufhören, dem Kick hinterherzulaufen. Tausender um Tausender wurde in Jetons umgewechselt, die wie bunte Pillen und Glasperlen das schnelle Glück vortäuschten. 364.000 Mark hatte er an einem einzigen Abend getauscht und fast 70.000 Mark als Trinkgeld in die Taschen der Casino-Angestellten gesteckt. Der einst so gewiefte Geschäftsmann, der fast aus dem Nichts ein Millionenunternehmen mit aufgebaut hatte, ließ sich von Spielbank-Direktoren umschmeicheln, übernachtete im Wohnmobil auf dem Casino-Parkplatz, belog Freunde und Familie und verlor im Laufe weniger Jahre mehrere Millionen.
Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigte Klaus F. Schmidt eine pathologische Spielsucht, die auch seine Geschäftsfähigkeit erheblich beeinträchtigt hatte. Hier sah er seine einzige Chance, das verlorene Vermögen doch noch zu retten und von seiner Spielsucht geheilt zu werden. In einem spektakulären Prozess verklagte er die Bremer Spielbank, deren Direktor ihn mit fragwürdigen Methoden immer wieder zum Spielen animiert hatte.
Klaus F. Schmidt hat seinen Prozess zwar verloren, doch kämpft er noch immer gegen die Ausnutzung der Glücksspielsucht durch die staatlichen Casinos. Mit seinem Buch und auf seiner gleichnamigen Internet-Seite http://www.nichts-geht-mehr.info wendet er sich eindringlich nicht nur an Betroffene, sondern an alle, die wissen wollen, wie es ist, wenn das ganze Leben aufs Spiel gesetzt wird. „Die Gefahren lauern mittlerweile überall“, meint Klaus Schmidt mit Blick auf das Internet.

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