Rheine. Ende gut, alles gut? Auf dem Höhepunkt des Bebens stellte das Domradio des Erzbistums Köln vorsorglich schon einmal das Ende als Frage in Aussicht. Auch in Rheine sind in dieser Woche die Erschütterungen in der katholischen Kirche angekommen: Nach heftiger Kritik aus Politik und Kirche hat der Vatikan schließlich den britischen Bischof Richard Williamson dazu aufgerufen, seine umstrittenen Holocaust-Äußerungen zu widerrufen. Die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft hatte zuvor zu der Schlagzeile geführt: „Papst rehabilitiert Holocaust-Leugner“.

„Die Diskussion kommt – gemessen an den Gesprächen, die ich mit Gemeindemitgliedern zum Thema geführt habe – als dem öffentlichen Image der Katholischen Kirche sehr abträglich bei der Gemeinde an“, formuliert es Bernhard Lütkemöller, Pfarrer der Gemeinde St. Dionysius. Dennoch steht er klar, dass „der unrechtmäßig geweihte Bischof Williamson von der Ausübung aller Kirchenämter auch weiterhin supendiert ist“. Die Bitte um eine eventuell mögliche Versöhnung sei von der Pius-Bruderschaft an den Vatikan herangetragen worden. Die Inhalte sind aber bisher – nach seinem Kenntnisstand – noch nicht besprochen, geschweige denn bereinigt worden. Deshalb könne von einer Rehabilitation im vollen Wortsinn auch noch nicht gesprochen werden.

So sieht das auch Dechant Dr. Ludger Kaulig: „Der Schaden für den christlich-jüdischen Dialog ist allerdings immens.“ Das Bekenntnis zum 2. Vatikanischen Konzil wird derweil allerorten bekräftigt und insbesondere von der Pius-Bruderschaft eingefordert. Befürchtungen, dass die Kirche einer Kehrtwende in die Zeit vor dem Vatikanischen Konzil antreten könnte, gebe es schon, bestätigt Kaulig. Diese Sorgen lägen nicht zuletzt auch begründet in der Einführung einer alten Liturgieform bei den Karfreitagsfürbitten. Seit 2008 wird wieder dort um die „Erleuchtung“ der Juden gebetet „Das halte ich für das größere Problem für den christlich-jüdischen Dialog,“ so Kaulig.

Befürchtungen, dass die offizielle Haltung der Katholischen Kirche hinter das 2. Vatikanische Konzil zurückführen könnte, habe ich nicht“, betont Bernhard Lütkemöller: „Ob die Pius-Bruderschaft und andere nicht organisierte Christen die Kraft haben, einen Lernprozess durchzumachen, der gerade die Grundlage der Trennung aufhebt, weiß ich nicht.“ Er befürchte aber, dass es eher eine Spaltung dieser Bewegung als zu einer umfassenden Versöhnung auf der Basis der Konzilsbeschlüsse geben wird.

Die Mitglieder der St.Pius X.-Bruderschaft geben weder ein Zeugnis christlicher Liebe, noch stehen sie in geistiger Gemeinschaft mit der Kirche“, erklärt die Historikerin und Theologin Gertrud Althoff. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der jüdischen Geschichte in Rheine und Umgebung sowie deren Dokumentation. Zurzeit ist sie als ordentliche Studentin für kath. Philosophie an der Universität Münster eingeschrieben. Ihr geht es bei der Pius-Bruderschaft „nicht nur um ihr strafbares Verhältnis zu Juden, sondern um ihr gestörtes Verhältnis zu Mitmenschen überhaupt, das von ganz und gar unchristlichem Geist geprägt ist“. Das vatikanische Vorgehen schlägt für Gertrud Althoff in eine offene Wunde. Was sie bei dieser Gelegenheit freut , ist der große gemeinsame Protest aller katholischen theologischen Fakultäten und Einrichtungen. „Unsere katholische Fakultät hier in Münster, wo Ratzinger selbst gelehrt hat, gab ihre Erklärung als eine der ersten.“