Lebensgeschichte in der Landesgeschichte: Werner Butzlaff veröffentlicht „Unvergessene Heimat – Erinnerungen“

Von Jörg Peterkord

Rheine. Wie auch immer man die Geschichte einer deutschen Vertreibungen erzählen will, der historische Zugriff endet stets bei der eigenen, der deutschen Nase. Das sieht der in Pommern geborene Werner Butzlaff aus Rheine nicht anders. Mit der Veröffentlichung seiner Lebenserinnerungen will er nicht allein seine durch Flucht und Vertreibung erzwungenen Lebenswege beschreiben, sondern auch zeigen, wie ein totalitäres Regime junge Menschen mit seiner Ideologie vernebelte und in seinen sinnlosen Krieg trieb: „Ich möchte meinen Beitrag leisten, um die heutige Generation davor zu bewahren.“

„Unvergessene Heimat – Erinnerungen“ so der Titel seines Buches, das mittlerweile in der dritten 100er Auflage beim Rheiner Heimdall-Verlag erschienen ist. Werner Butzlaff schreibt über seine Kindheits-, Jugend- und Kriegserinnerungen, über die Schicksale einer verzweigten pommerschen Familie im ländlichen Gebiet nahe der Ostsee. Und er schreibt über das Unrecht: Über die Gräueltaten der Roten Armee in Nemmersdorf, die gegen Kriegsende eine große Rolle in der Nazi-Propaganda spielten, wie auch über den „unheimlichen Vernichtungswillen der Amerikaner in den Gefangenenlagern der Rhein-Auen in Wickrath, Büderich, Rheinberg.“ Werner Butzlaff war an der Rückeroberung von Nemmersdorf als Fallschirmjäger beteiligt und überlebte das Gefangenlager in Wickrath.

Die Tragik seiner Erlebnisse und der vieler Heimatvertriebener besteht darin, dass sie sich als individuelle Opfer oft unschuldig an den Kollektivverbrechen ihrer Generation fühlen, für die sie mit dem Verlust ihrer Heimat bestraft wurden. Keinesfalls will Butzlaff die Uhren wieder zurückdrehen, indem er auf seine Heimat pocht. Die aktuelle Diskussion um die US-Gefangenen in Guantanamo bestätige ihn in seiner Haltung: „Unrecht muss man bezeichnen dürfen.“ Das gilt dann besonders für die Bezeichnung derjenigen, die dem „Kampf gegen das Böse“ die Prinzipien ihrer Moral opfern.

Dass seine Kinder keine emotionale Verbindung zu seiner Heimat in Pommern verspüren, ist auch ein Teil der Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik, die in schwierigen Jahren zwölf Millionen Vertriebene integriert hat. Dennoch bleibt die Vertreibung für ihn ein großes Unrecht, dass – so Butzlaff – noch längst nicht abgehandelt sei.

Unrecht gegeneinander aufzurechnen, ist nicht nur sinnlos, sondern würde auch dazu führen, „daß der Fluch der bösen Tat fortzeugend Böses gebiert“, schrieb Marion Gräfing Dönhoff 1970 in der Zeit. „Ein Kreuz auf Preußens Grab“ lautet der Titel ihres Beitrags zum deutsch-polnischen Vertrag über die Oder-Neiße-Grenze. Für viele Vertriebene wie Werner Butzlaff brachte sie die Gefühlslage auf den Punkt: „Also ein neuer Anfang? Ja, denn sonst nimmt die Eskalation nie ein Ende. Also Abschied von Preußen? Nein, denn das geistige Preußen muß in dieser Zeit materieller Begierden weiterwirken – sonst wird dieser Staat, den wir Bundesrepublik nennen, keinen Bestand haben.“

Dem Buch „Unvergessene Heimat – Erinnerungen“ (ISBN 978-3-939935-03-2, 24,90 Euro) sind viele Leser zu wünschen, die etwas über zeitlose Werte erfahren möchten.

Butzlaff-Text

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